Semester für Ältere: Uni Wuppertal

An der Bergischen Universität Wuppertal gibt es das Senioren-Studium schon seit 1987. Im Jahr 2012 feiert es sein 25-jähriges Bestehen. In Wuppertal ist der Zugang zum Seniorenstudium relativ leicht, denn man benötigt kein Abitur und es gibt auch kein Mindestalter. Die Teilnehmer sind in der Regel über 45 Jahre alt.

Christine Schrettenbrunner organisiert in Wuppertal das Seniorenstudium.

Für die Organisation und die Leitung des wissenschaftlichen Sekretariats für das Seniorenstudium ist die Diplom-Psychologin Christine Schrettenbrunner verantwortlich. Die 50-Jährige befasst sich innerhalb des Fachbereichs Soziologie mit der älteren Generation.

„Unsere Senioren haben ein unterschiedlich hohes Qualifikationsniveau und müssen an ihrem Stand abgeholt werden“, erklärt Christine Schrettenbrunner. „In Wuppertal ist der Aufbau des Studiums sehr gut geregelt. Die Senioren werden bei uns nicht in gesonderten Kursen unterrichtet, sondern es handelt sich um ein integriertes Studium. Das heißt, die Senioren gehen mit den jungen Leuten zusammen in die Seminare. Doch davor sollte sich kein Senior scheuen, denn sie bringen ein großes Wissenspotential aus ihrer Lebens- und Berufserfahrung mit, während unsere jungen Studierenden ‚nur’ ihr Schulwissen mitbringen. Im gegenseitigem Austausch liegt die Bereicherung für beide Gruppen.“

Grundsätzlich unterscheiden sich die beiden Gruppen aber in ihren Zielen. Während die Jungen die Berufsqualifizierung anstreben, nutzen die Älteren das Studium eher indirekt. Die Zertifizierung ist auch keine Berufsqualifikation. Und auch ein weiterer Aufbau, zum Beispiel in Hinsicht auf eine Promotion ist nicht möglich. „Wir haben Seniorenstudierende, die das hier erarbeitete Wissen für ihre ehrenamtliche Arbeit nutzen, etwa als Stadtführer oder für Kurse an der Volkshochschule“, weiß die Leiterin des Seniorenstudiums. Der Studienschwerpunkt liegt auf den Sozialwissenschaften, so dass laut der gültigen Studienordnung mindestens eines der üblicherweise zwei Studienfächer aus den Sozialwissenschaften stammen muss.

Studieren was Spaß macht ohne Druck*

„Die meisten Seniorenstudenten fangen nach der Pensionierung an“, erklärt Christine Schrettenbrunner weiter. „Manche beginnen früher, wenn sie zum Beispiel in Altersteilzeit gehen.“ Auch die Lieblings-Studiengänge haben sich in Wuppertal in 25 Jahren klar herauskristallisiert. An Platz 1 stehen Sozialwissenschaften, dicht gefolgt von Philosophie, Geschichte und Literatur. „Manche studieren aber auch Wirtschaftswissenschaften“, so Christine Schrettenbrunner. „Mathematik und Naturwissenschaften sind eher selten. Die meisten wollen ihre schon immer gehegten Interessen vertiefen. Manche vertiefen ihr bisher erworbenes Wissen, andere wollen etwas ganz anderes beginnen. Die Motivation ist vielfältig.“

An der Bergischen Universität nehmen die Senioren-Studierenden an Veranstaltungen der Regelstudiengänge teil. Diese integrierte Struktur fördert die Zusammenarbeit zwischen älteren und jüngeren Studierenden und es gibt keine Probleme: „Das liegt an dem Verhältnis. Zurzeit stehen 111 Seniorstudierende rund 16.000 regulären Studenten gegenüber. Da kommt gar nicht das Gefühl auf, die ‚Alten’ nehmen uns die Studienplätze weg.“

Die Struktur

Am Anfang steht ein Orientierungssemester für die Newcomer an der Uni, das sechs bis acht Semesterwochenstunden umfasst. In diesem Semester lernen die Studierenden elementare wissenschaftliche Arbeitsmethoden wie zum Beispiel die Bibliotheksbenutzung, Anfertigung schriftlicher Arbeiten oder Grundlagen empirischer Sozialforschung. Dieses Semester ist für Teilnehmer ohne abgeschlossenes Hochschulstudium verbindlich.
Neben diesen Grundlagenstunden stehen den Teilnehmern aber auch alle Vorlesungen offen.

Hauptcampus der Uni-Wuppertal

Danach können die Neueinsteiger ins Grundstudium starten. Das geht über drei Semester mit jeweils zwölf Semesterwochenstunden. Hier können die Studenten frei wählen aus dem Lehrangebot des Grundstudiums des jeweiligen Fachbereiches, den sie studieren.
In zweien der gewählten Fächer ist ein Leistungsnachweis in Form einer Klausur, einer Hausarbeit oder eines Referates zu erbringen. Eines dieser Fächer muss aus dem Schwerpunkt-Studiengang Sozialwissenschaften gewählt werden.

Nach erfolgreichem Grundstudium kommen die Studierenden automatisch ins Hauptstudium. Das ist mit einem Semester mit zwölf Semesterwochenstunden veranschlagt. In diesem fünften Semester vertiefen die Studenten die beiden Fächer, in denen sie im Grundstudium die Leistungsnachweise erbracht haben. Für jedes dieser beiden Fächer ist in Veranstaltungen auch hier aus dem Lehrangebot des jeweiligen Hauptstudiums ein qualifizierter, das heißt benoteter Leistungsnachweis zu erbringen.

Ziel: das Zertifikat!*

Nach vier fach- und leistungsbezogenen Semestern schreiben die Studenten unmittelbar eine Abschlussarbeit. Wie lange sie dafür brauchen, hängt individuell von den Studenten ab. Die Abschlussarbeit muss thematisch mit einem hauptamtlich Lehrenden abgesprochen und von ihm angenommen werden. Und sie muss den Kriterien einer wissenschaftlichen Hausarbeit entsprechen. Der Umfang solch einer Arbeit beträgt etwas 30 bis 50 Seiten.
Die erfolgreiche Abschlussarbeit ist zusammen mit den vier während des Studiums erworbenen Leitungsnachweisen Voraussetzung für den Erhalt des Zertifikates.

Die Gebühren betragen zurzeit in Wuppertal 100 Euro pro Semester.

Seit 2011 wurde der Stellenwert des Seniorenstudiums in Wuppertal noch erhöht, weil es Teil eines neugegründeten Zentrums für Weiterbildung ist. Damit ist es keinem Fachbereich mehr zugeordnet. Das Zentrum gliedert sich in drei Geschäftsfelder. Neben dem Seniorenstudium zählen noch die Karriere-Services und hochschulinterne Weiterbildungsangebot dazu sowie Bachelor- und Masterstudiengänge.

Ruth Hoffmann (Text)

repor-tal (Photo Schrettenbrunner)
Bergische Universität Wuppertal (Luftaufnahme)
fotolia (Photos mit *)

Informationen: www.uni-wuppertal.de

Kontakt:
Christine T. Schrettenbrunner, Diplom-Psychologin
Zentrum für Weiterbildung, Senioren/innen-Studium
Bergische Universität Wuppertal
Gaußstraße 20, 42097 Wuppertal
Telefon: 0202 / 439-32 55
E-Mail: senstud@uni-wuppertal.de

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