Strakerjahns Spekulationen

Ein Brettchen, Weidenzweige - der Rest ist Phantasie. Fertig ist die 'Tunschere'!
Ein Brettchen, Weidenzweige – der Rest ist Phantasie. Fertig ist die ‚Tunschere‘!

Seltsam klingende Worte: ‘Wäp-Wäp’ oder ‘Tunschere’. Der Schriftsteller, Jurist und Politiker Ludwig Strackerjan hat sich mit dem Thema und auch der Herkunft befasst. Strackerjan lebte zwar im 19. Jahrhundert (1825 bis 1881). Seine Erklärungsversuche lesen sich aber auch heute noch wie Harry Potters Zauberbücher.

Strackerjan schreibt: Die Wörter Wäperraut und Tunschere (Wêperôt und tûnsher) haben schon viel Kopfzerbrechen verursacht. So hätten einige an das Wort ‘wep’ in Zusammenhang mit ‘Wäeperraut’ gedacht. ‘wep’ bedeute ‘schnell’. ‘Wêperrôt’ solle demnach eine Rute sein, die schnell übergebracht werden muß. Doch auch weitere Erklärungen der Zeit, die mit Begriffen wie ‘Sonne ‘, ‘Rad’ oder ‘Pfütze’ in Zusammenhang gebracht wurden, erschienen Strackerjan fragwürdig: Daß diese Erklärungen nicht befriedigen, wird jeder zugeben, der die alte Sitte näher kennt, zumal da die Form des Rades oder der Sonne bei der ‘Wäperraut’ vollständig fehlt. Andere Deutungen wie werben, werfen, rot wie Ruß, weibelruote wie Gerichtsrute übergehen wir ganz., sagt er.

Strackerjan bringt wêperrôt mit dem Wort ‘wependorn‘ in Verbindung. Bei Schiller-Lübben (Mittelniederdeutsches Wörterbuch) wird es übersetzt mit ‚Hagebuttenbaum‘. Aus einer daselbst angeführten Stelle ergibt sich, daß es auch Hagedorn bedeutet … Danach ist also wêperrôt nichts anderes als Hagedornrute.

Schwieriger kommt es Strackerjan vor, eine Erklärung für das Wort tûnshêr zu finden: Seinen Ausführungen folgend soll es aus dem Wort ‘tun’, was ‚Zaun‘ bedeutet, und ‘scheren’ entstanden sein, weil, so seine Begründung: das zu scherende oder schabende Holz aus dem Zaun genommen oder auch schon im Sommer zum trocknen auf den Zaun gelegt wurde.
Wahrscheinlicher klingt für ihn aber eine andere Erklärung: Danach hießen ledige Leute, die im oder außerhalb des elterlichen Hauses wohnten und kein eigentliches Grunderbe hatten,… Tunschare … Bei diesen ledigen und losen Junggesellen… herrschte der Gebrauch, daß sie dem Hause oder Hofe, welchem sie zugehörten oder wohlwollten, einen Kranz (?) als Zeichen besonderer Ehrfurcht und Achtung überreichten. Diese Gewohnheit ist an mehreren Stellen noch nicht erloschen, der Kranz (?) selbst führt den Namen Tunschare.

Soweit die Ergebnisse meiner bisherigen Recherche über einen Brauch aus  einer untergegangenen Zeit, als es noch kein Facebook gab!

Text: Ruth Hoffmann

Photos  © repor-tal

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