Romantisches Klavier zwischen Ost und West

Mit einem Programm, das sich auf Wege der Romantik begibt, zeigt Severin von Eckardstein die vielfach verflochtenen Beziehungen auf, die im 19. und 20. Jahrhundert – nicht nur musikalisch, sondern auch persönlich – zwischen Ost- und Westeuropa bestanden. Er spielt in der Barockkirche Wickrathberg Kompositionen von Schumann, Brahms, Chopin, Medtner und anderen.

Severin von Eckardstein, Foto Irène Zandel

Robert Schumann gilt als Inbegriff pianistischer Romantik. Seine Frau Clara verbreitete auch nach seinem Tod das Werk ihres Mannes als Klaviervirtuosin und war freundschaftlich mit Johannes Brahms verbunden. Brahms, der zweifellos in Clara verliebt war, traf 1888 in Leipzig auf den nur unwesentlich jüngeren Tschaikowsky. Dieser bereiste damals Westeuropa, um seine Musik dort bekannt zu machen und orientierte sich genauso wie der Deutsche an Schumann und Mozart.

Als Russe deutscher Abstammung schrieb Nikolai Medtner, der 1951 starb, Lieder auf Gedichte Goethes und schlug auch in seinen Klavierwerken eine Brücke von Ost nach West, die hörbar auf den Fundamenten der Romantik ruht.

Ein Brückenbauer war auch der Pole Chopin: Der Sohn eines Lothringers verband französische Empfindsamkeit und Raffinesse mit Elementen der polnischen Musik und wurde so zur Identifikationsfigur der durch Fremdherrschaft, Teilung und barbarische Besatzung gebeutelten polnischen Nation.
Bewusst politisch zeigte sich Leoš Janáček mit seiner Klaviersonate ‚z uli- ce‘ (Von der Straße). Das Werk ist eine Hommage an František Pavlík, der mit nur 20 Jahren bei einer Demonstration für eine tschechische Universität in Brno getötet wurde. Kurz nachdem das Werk 1905 der Öffentlichkeit vorgestellt worden war, zerstörte der Komponist von Selbstzweifeln geplagt die Partitur. Erst zu seinem 70. Geburtstag spielte Ludmila Tučková, die das Stück uraufgeführt und für sich kopiert hatte, es ihm nach eigenen Aufzeichnungen noch einmal vor. Daraufhin entschloss sich Janáček kurzerhand dazu, das oft als bedeutendste Sonate des Komponisten bezeichnete Werk schließlich doch zu veröffentlichen. 

Die Frankfurter Allgemeine schrieb über den Pianisten Severin von Eckardstein: „Gute Pianisten gibt es wie Sand am Meer. Einen Musikus wie Eckardstein findet man aber nur mit der Wünschelrute“.
Seit seinem Sieg beim Concours Reine Elisabeth (Brüssel, 2003) gilt Eckardstein als einer der bedeutendsten deutschen Pianisten.

Text: Pro Classics / repor-tal

Photos mit freundlicher Genehmigung von Pro Classics

Informationen: www.niederrhein-musikfestival.de

Termin: 13. September 2019, 19 Uhr

Ort: Kirche Wickrathberg, Berger Dorfstraße 53, 41189 Mönchengladbach

Karten: www.niederrhein-musikfestival.de

PROGRAMM:

Robert Schumann (1810-1856):
Fantasiestücke op. 12
°Nr. 5 In der Nacht
°Nr. 6 Fabel
°Nr. 7 Traumes Wirren
°Nr. 8 Ende vom Lied 

Johannes Brahms (1833-1897):
Klavierstücke op. 118
°Nr. 1 Intermezzo a-moll – Allegro non assai
°Nr. 2 Intermezzo A-Dur – Andante teneramente 

Nikolai Medtner (1880-1951):

4 lyrische Fragmente op. 23
Sonata-Elegy op. 11, Nr. 2 

Leoš Janáček (1854-1928):
Sonáta I.X.1905, Z ulice – Klaviersonate
1. Oktober 1905, Von der Straße 

°1. Satz: Die Ahnung (Con moto)
° 2. Satz: Der Tod (Adagio) 

Frédéric Chopin (1810-1849):
Mazurka op. 30, Nr. 4
Nocturne op. 62, Nr. 2 

Pjotr Tschaikowsky (1840-1893):
Stücke für Klavier op. 72
°Nr. 14 Chant élégiaque
°Nr. 15 Un poco di Chopin
°Nr. 16 Valse à cinq temps
°Nr. 18 Scène dansante invitation au trépak

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