Sechs kleine Schätze
des Prinzen von Theben

Else Lasker-Schüler – geboren 1869 in Elberfeld (heute Wuppertal), 1933 auf Druck der Nazis emigriert, gestorben 1945 in Jerusalem – ist inzwischen weltbekannt als Dichterin und Schriftstellerin. Doch sie war auch eine zeichnende Künstlerin von hohem Rang. Der Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft ist es gelungen, sechs Schätze ihres zeichnerischen Schaffens von einem Sammler in Kanada zu erwerben.

‚Der Scheik und sein Freund Mschattre Zimt’

Die sechs Original-Zeichnungen werden als Dauerleihgabe künftig im ‚Deutschen Zentrum für Verfolgte Künste‘ in Solingen zu sehen sein, wo schon 17 weitere Original-Zeichnungen ausgestellt sind. Diese Sammlung kann sich nun als zweitgrößte der Welt rühmen, nach der Jerusalemer Nationalbibliothek, wo der Gesamtnachlass der Künstlerin aufbewahrt wird.

Fünf der sechs Zeichnungen haben noch die Original-Rahmung. Davon sind drei individuell gestaltet, bemalt und verziert. „Sie könnten von Else Lasker-Schüler selbst gestaltet worden sein“, vermutet der ELSG-Vorsitzende Hajo Jahn.

Denn Else Lasker-Schüler gehörte nicht zu den Künstlern, die ihre Werke anderen überließen. „Für mich war sie die erste Performance-Künstlerin“, erklärt Hajo Jahn entschieden, „die erste, die ihre eigenen schriftstellerischen Werke auch selbst illustriert hat.“

Hajo Jahn (l.) und Rolf Jessewitsch freuen sich über den Zuwachs der Else-Zeichnungen.

„Die Blätter wurden mit Tinte, Buntstiften und teils Kreiden bearbeitet und sind handschriftlich bezeichnet, aber, typisch für Else Lasker-Schüler zu dieser Zeit, weder signiert noch datiert“, erklärt die Lasker-Schüler-Expertin Dr. Ricarda Dick in ihrer Expertise. „Die sechs Zeichnungen wurden von Else Lasker-Schüler zur Illustration ihre Prosabuches ‚Der Prinz von Theben’ geschaffen, das 1914 mit 25 teilweise farbigen Abbildungen nach Zeichnungen der Verfasserin und drei farbigen Bildern von Franz Marc erschien. Diese illustratorischen Arbeiten lassen sich anhand von brieflichen Mitteilungen von Else Lasker-Schüler für etwas Februar bis Mai 1913 belegen.“ Mit Franz Marc war die Künstlerin eng befreundet. Er animierte sie zu zeichnen.

Einige der Blätter tragen auf ihrer Rückseite noch den Stempel ‚Nationalgalerie Berlin’. „Hiermit wurde ein Stück Kultur nach Deutschland zurückgeholt“, sagt Dr. Rolf Jessewitsch, Direktor des Kunstmuseums Solingen, in dem das ‚Deutsche Zentrum für Verfolgte Künste’ angesiedelt ist.

‚Adam und Eva’

Die Gutachter aus Deutschland und Israel stufen die kleine Sammlung als ‚Kulturgut von nationaler Wichtigkeit‘ ein. Die sechs Werke wechselten ihren Besitzer für insgesamt 52.000 Euro. Der Kauf der Bilder war möglich, weil die Kulturstiftung der Länder, die Kunststiftung NRW und die des Bundes sich sich die Kosten teilten.

Am Sonntag, 8. Juli 2012, werden die Zeichnungen offiziell ‚übergeben’. Im Rahmenprogramm liest die Schauspielerin Nina Hoger aus ‚Der Prinz und der Barbar’, Texten von Else Lasker-Schüler und Gottfried Benn.

Ruth Hoffmann (Text)

repor-tal (Photos)
Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft (Aufnahmen der Zeichnungen)

Informationen: www.else-lasker-schueler-gesellschaft.de, www.exil-zentrum.de, www.kunstmuseum-solingen.de

Veranstaltung 8. Juli 2012, 11 Uhr:
Kunstmuseum Solingen / Zentrum für Verfolgte Künste, Wuppertaler Straße 160, Solingen Gräfrath
Eintritt: 10 Euro

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