Noord Brabant für Genießer

Die Niederlande heißen bei uns meistens ‚Holland‘, und ‚Holland‘ heißt normalerweise entweder Amsterdam oder Strand, ansonsten Grachten, Windmühlen, Camping, Wassersport. Das Land ist nicht gerade berühmt für sein kulinarisches Angebot. Wenn man Hunger hat, geht man zum Chinesen oder Inder oder kauft gebackenen Fisch auf dem Markt. Soviel zu den gängigen Klischees. Doch der Süden ist anders.

Ähnlich wie in Deutschland nimmt auch in den Niederlanden die durchschnittliche Qualität der Gastronomie in Richtung Süden tendenziell eher zu, auch wenn der Nord-Süd Abstand in Kilometern in den Niederlanden geringer ist. Was zählt, ist die Kulturtradition, und die versteht sich im Süden als ‚burgundisch‘. Der Süden, das sind die Provinzen Limburg und Noord Brabant.

Oisterwijk - ein schickes Städtchen zwischen Tilburg und Eindhoven, bietet viele Straßencafés.
Oisterwijk – ein schickes Städtchen zwischen Tilburg und Eindhoven, bietet viele Straßencafés.

Fangen wir mal mit Letzterer an! Noord Brabant heißt so, obwohl es kein Süd-Brabant in Nederland gibt; denn das ist schon Belgien. ‚Brabant‘ betont man übrigens nicht wie ‚Trabant‘, sondern auf der ersten Silbe. Die Provinzhauptstadt s’Hertogenbosch besitzt eine attraktive Altstadt. Eindhoven ist eine Industriestadt, die sich vor allem dem Großunternehmen Philips verdankt. Tilburg kämpft als früherer Textilstandort mit den Folgen des Strukturwandels. Deshalb ist es weder vom Business noch vom Tourismus gestresst und einen Entdeckungsbesuch wert.

Naturnah und doch dicht an der City: Der alte Hafen von Tilburg
Naturnah und doch dicht an der City: Der alte Hafen von Tilburg

Besuchern, die auf einen gehobenen Hotelkomfort für ein paar Übernachtungen verzichten können, empfehlen wir als Logis ein Binnenschiff: Die ‚Stella Maris‘ liegt im Süden der Innenstadt in einem ruhigen Hafenbecken, das ’schon nicht mehr gebraucht wurde, als es vor rund hundert Jahren fertig war‘, wie der Eigentümer und Schiffer Ward Deckers erklärt.

Er ist auch Experte für Geschichte und Natur Tilburgs. Die Einwohner der Stadt nennen sich übrigens selbst ‚Kruikeziekers‘ – heute mit einem gewissen augenzwinkernden Selbstbewusstsein; früher war es ein Spottname. Denn er bedeutet ‚Krugpisser‘; die Arbeiter in den Textilfärbereien bekamen nämlich in früheren Zeiten ein kleines Entgelt, wenn sie ihren Urin mit in die Fabrik brachten.

Fröhliches Leben im Biergarten der Trappisten-Abtei
Fröhliches Leben im Biergarten der Trappisten-Abtei

Vom Liegeplatz der ‚Stella Maris aus kann man sowohl die Innenstadt als auch die Umgebung prima mit dem Fahrrad erkunden. In weniger als einer halben Stunde erreicht man zum Beispiel die Trappisten-Abtei Koningshoeven, wegen ihrer Brauereiwirtschaft ein beliebtes Ausflugsziel. Die Trappisten sind traditionell ein eher strenger Orden. Doch getreu dem Motto, das der Abt bei der Einweihung des Gästehauses anbringen ließ: ‚Suche Gott und lebe!‘ soll das Leben auch nicht zu kurz kommen.

Denn das ist ‚burgundisch‘: Man betrachtet nicht wie die Calivinisten, die den Norden der Niederlande geprägt haben, das Leben als irdisches Jammertal, dessen Reize man bloß gering schätzen darf. Was der liebe Gott wachsen lässt, das darf man burgundisch durchaus auch genießen.

Köstliches aus Kloster-Produktion
Köstliches aus Kloster-Produktion

Außerdem verdienen die Mönche getreu der Regel des Heiligen Benedikt ihren Lebensunterhalt durch Arbeit, im Fall der Abtei Koningshoeven durch Brauerei. Hier werden je nach Jahreszeit sieben bis acht Biersorten gebraut, Marke ‚La Trappe‘, vom hellen und relativ leichten Bio-Bier bis zum ‚Quadrupel‘ mit einem Alkoholgehalt ähnlich dem von Wein, das auch ähnlich wie Wein in hölzernen Fässern gereift erhältlich ist, unter anderem solchen, in denen vorher Whisky war. Das Speisen-Angebot im ‚Proeflokal‘ mit Biergarten ist rustikal, aber erlesen. Wir empfehlen zur Bierprobe eine Auswahl von Käse und Räucherfleisch und Broten, alles aus Kloster-Produktion.

Besonders die stärkeren Biersorten sind mit Vorsicht zu genießen, damit man noch aufstehen kann, wenn das Lokal gegen 19 Uhr schließt. Alle Biersorten und viele andere Produkte aus diesem und anderen Klöstern gibt es auch im Klosterladen zum Mitnehmen. Gäste können in der Klosterkirche an den Stundengebeten der Mönche teilnehmen. Die stehen früh auf: ‚Matutin‘ ist um 4:30 Uhr, ‚Laudes‘ um 6:30 Uhr. Messe ist sonntags um 11, sonst um 11:30 Uhr. Außer sonntags beten die Mönche die ‚Non‘ um 14:30 Uhr. ‚Vesper‘ ist das Abendgebet am Sonntag um 17 Uhr, werktags um 17:45 Uhr. Es gibt auch ein Gästehaus, wo man nach Voranmeldung übernachten kann.

Typisch für den Süden der Niederlande: überall findet man kleine Kapellen. Diese wurde im Jahr 1939 gestiftet zum Dank für einen überstandenen Auto-Unfall.
Typisch für den Süden der Niederlande: überall findet man kleine Kapellen. Diese wurde im Jahr 1939 gestiftet zum Dank für einen überstandenen Auto-Unfall.

Text: Jan-Peder Lödorfer

Photos: © repor-tal

Informationen: www.koningshoeven.nl

Adresse: Abdij Onze Lieve Vrouw van Koningshoeven, Eindhovenseweg 3, 5056 Berkel-Enschot

Telefon: +31 (0)13 540 85 08

E-Mail: info@koningshoeven.nl

Übernachtungstipp: Stella Maris B&B, Havendijk 9, 5017AL Tilburg

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