Belege von den Außenstationen des Lebensweges

Vale Novaesium! – Postkarte, 1907, @ CSM Neuss

Was für Jäger und Angler die Trophäen, sind für Urlaubsreisende die Souvenirs. Angefangen hat dieser Brauch allerdings nicht erst mit der Reisewelle der Nachkriegszeit, sondern er geht zurück auf die Zeit der Pilgerreisen und Wallfahrten.

Bowlegefäß, auf der Wandung sind sechs Rheinburgen dargestellt, um 1910 @ CSM Neuss

Das Feld-Haus Museum für Populäre Druckgrafik in Neuss hat eine faszinierende Schau zur Postkarten- und Andenken-Kultur zusammengestellt. In der Außenstelle des Clemens Sels Museums in der Nähe der ehemaligen Raketenstation sind aktuell bis zum 28. Januar 2018 Reise- und Wallfahrts-Andenken zu bewundern.

„Egal, ob wir irgendwo am Pool liegen und uns von der Sonne bräunen lassen, oder an besonderen Orten spirituelle Erfahrungen sammeln, gerne bringen wir uns ein Andenken an die wertvollsten Wochen des Jahres mit“, erklärt Dr. Ulf Sölter, Stellvertretender Direktor des Clemens Sels Museums. „Meistens soll es etwas Kleines sein, das gut zu transportieren und ortstypisch ist. Das reicht vom Kugelschreiber, Anhängern für sogenannte Bettelarmbänder bis hin zu dem Klassiker: Schneekugeln. Die Mitbringsel sind Brücken für unsere Erinnerungen.“

Zeichnung von J. Schmidt, 1768 aus einem Schuber mit 85 blättern @ CSM Neuss

Schon früh dienten Skizzen oder Gemälde als Reise-Erinnerung: „Zum Beispiel kannte Goethe schon vor seinen italienischen Reisen Rom von den Stichen, die sein Vater von seiner Italien-Reise mitgebracht hatte. Das führte dazu, dass er zunächst von der Realität enttäuscht war“, lacht Sölter. Auch dieser Effekt des Schönens der Tatsachen hat sich in der Andenken-Industrie bis heute bewahrt.

Andenken an Kevelaer, Fahne @ CSM Neuss

„Auch auf Wallfahrten spielt das Andenken eine große Rolle“, weiß Romina Pieper, Co-Kuratorin der Ausstellung. „Zum Beispiel wurden Fähnchen mitgenommen oder am Wallfahrtsort gekauft, mit denen man das heilige Objekt berührte und die dann mit nach Hause genommen wurden, damit der Segen auf das Haus überging.“

Die Ideen der Andenken-Industrie finden heute kein Ende. Auch Aschenbecher oder Briefbeschwerer sind beliebte Erinnerungsträger, ebenso auch Löffelchen und Gefäße jeder Art, vom Schnapsgläschen bis zum Bierseidel. Die Souvenirs wurden üblicherweise in heimischen Wohnzimmern verwahrt und in Vitrinen präsentiert. Benutzt wurden sie selten.

Drachenfels, Postkarte, 1898 @ CSM Neuss

Ein Großteil der Exponate sind Postkarten. Alles begann mit der sogenannten Korrespondenz-Karte, ein Vorläufer der heutigen Postkarten. Sie kamen Ende des 18. Jahrhunderts auf den Markt. Ein Schwerpunkt der Sammlung liegt auf dem Rheinland mit seiner Rhein-Romantik. Motive verklärender Darstellung sind aber nicht nur die Urlaubs-Reiseziele, sondern auch die Schützengräben des 1. Weltkriegs. Mit Stolz schicken die Soldaten Bilder nach Hause, die zeigen, welche Zerstörung sie an Kirchen und anderen Gebäuden angerichtet haben.

Anfangs wurden die Karten noch auf der Bild-Seite beschrieben. Auf der anderen Seite stand ausschließlich die Adresse. Spannend sind auch die Briefmarken, die im wahrsten Sinne auf die Reise geschickt werden. Auch darin steckt das Schau mal, wo ich bin!

Andenken von einer Heiligtumsfahrt nach Aachen © CSM Neuss

Zu der umfangreichen Ausstellung gehörten auch Freundschaftsalben und Alben mit persönlichen Reiseerinnerungen und -skizzen oder gepressten Blumen. Außer einer Reise war war auch schon immer die Hochzeit Motiv persönlicher Erinnerung. Dazu wurden spezielle Objektkästen gebaut.

Das im Deutschen geläufige Wort Souvenir kommt übrigens aus dem Französischen: se souvenir heißt ganz einfach sich erinnern.

Text: Ruth Hoffmann

Photos mit freundlicher Genehmigung von Pro Classics

Informationen: www.clemens-sels-museum-neuss.de

Adresse: Feld-Haus – Museum für Populäre Druckgrafik, Berger Weg 5, 41472 Neuss (auf dem Kirkeby-Feld zwischen Museum Insel Hombroich und Raketenstation Hombroich)

Passend zur Ausstellung haben Dr. Ulf Sölter (r.) und Romina Pieper einen Souvenir-Shop im Feld-Haus eingerichtet. © reportal

Telefon: 02131 / 90 41 41

Öffnungszeiten: samstags, sonntags und feiertags 11 bis 17 Uhr (27.08., 24. – 26. und 31.12.2017 geschlossen)

Eintritt: 2 Euro

Jeden ersten Sonntag im Monat ist der Eintritt frei!

Katalog: Souvenirs, Souvenirs! Reise- und Wallfahrtsandenken aus der Sammlung Feld-Haus
Preis 3,50 Euro

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