Nina Hoger – Eine Begegnung

Nina Hoger (Jahrgang 1961) ist ganz und gar Schauspielerin, auch bei einer Lesung. Sie erweckt den Text zum Leben. Zu ihrem Repertoire gehören Gedichte von Else Lasker-Schüler und Gottfried Benn, die in den 1920er Jahren ein Skandalpärchen der deutschen Literaturszene bildeten.  Nina Hoger denkt sich in die beiden gegensätzlichen Charaktere hinein. Ohne je zu überzeichnen, ist sie mal leidenschaftlich, mal nachdenklich, dann wieder kritisch und im nächsten Augenblick amüsiert, kurz darauf vermittelt sie eine tiefe Traurigkeit und kann gleich wieder wissend ermahnen.

Voll Faszination

Die Lyrik der beiden komplizierten Persönlichkeiten erfordert die ganze Aufmerksamkeit. Nina Hoger hält den Spannungsbogen und entlässt ihre Zuhörer nicht einen Augenblick in die Ablenkung.

Gefragt, was sie an Else Lasker-Schüler bewundere, sagte sie: „Ich schätze ihre ausbordende, blühende Sprache, ihre starke Emotionalität. Mit ihrer Sprache kann ich etwas anfangen. Sie nahm sich die großartige Freiheit, über sich selbst zu verfügen, wie Gottfried Benn sagte, und hat gelebt, was sie leben wollte. Sie trug Männerkleider, das Haar kurz. Sehr ungewöhnlich für ihre Zeit. Dafür hat sie einen hohen Preis gezahlt. Sie war immer arm und fast immer allein.“

Und Nina Hoger, mit dem markanten Rotschopf, nimmt sie sich auch diese Freiheiten? „Man macht immer Kompromisse“, lächelt sie. Auf ihre Einstellung zu den Texten bezogen: „Es ist wichtig, dass man eine Haltung entwickelt und dazu steht. Dabei kommt es nicht darauf an, ob diese Haltung korrekt ist oder nicht. Jemand anders kann es ganz anders interpretieren. Es ist nur wichtig, dass man überhaupt eine Haltung hat.“

Nina Hoger und Hajo Jahn

Mit Else Lasker-Schüler kam Nina Hoger vor sechs Jahren in Berührung. Auslöser war die Begegnung mit Hajo Jahn, dem Vorsitzenden der Else Lasker-Schüler-Gesellschaft. Seitdem tritt sie auch immer wieder mit Texten von ihr auf. Aber sie hat auch Lesungen mit Texten von Hilde Domin, Johann Peter Hebel und Vaclav Havel auf ihrem Programm. Oft arbeitet sie mit dem ‚Ensemble Noisten‘ zusammen, einer Band, die sich mit Klezmer-Musik und ihren Weiterungen beschäftigt.

Eine gängige These lautet: ‚Künstler konnten nur Großes schaffen, weil sie so oft unglücklich waren, sonst hätten sie nicht das schaffen können.‘ Ist Nina Hoger unglücklich? Sie lacht, ist aber gleich wieder ernst: „Glück ist ein flüchtiger Moment, und um wirklich glücklich zu sein, muss man auch das Gegenteil kennen.“

Als Tochter der Schauspieler Hannelore Hoger und Norbert Ecker hat Nina Hoger die Schauspielerei mit der Muttermilch eingesogen. Aufgewachsen ist sie aber bei ihren Großeltern in Hamburg, wo sie auch geboren ist. Mutter Hannelore war erst 19 Jahre bei ihrer Geburt und musste an ihrer Karriere arbeiten.

Eine richtige Schauspielschule hat sie nie besucht. Sie hat ganz einfach bei den Eltern abgeschaut und es sich selbst beigebracht, eine echte Autodidaktin. Doch während die Eltern vor allem Theater spielen, ist die Tochter gleich ins Film- und Fernsehgeschäft eingestiegen. Schon mit 18 spielte sie ihre erste Filmrolle zusammen mit Dieter Krebs und Monica Bleibtreu in ‚Fallstudien’. Und schon mit 22 bekam sie den Bundesfilmpreis für ihre Darstellung in ‚Flucht nach vorn’. Bekannt ist sie auch aus vielen Rollen in Fernsehserien. 2011 amüsierte sie die Nation als ‚Estelle’ in den ‚Dienstagsfrauen‘. Ihr schelmischer Blick wurde da zum Markenzeichen. Zurzeit lebt Nina Hoger in Berlin.

Gerade hat sie wieder ein Filmprojekt abgeschlossen; ‚Die Landärztin’ wird 2013 im Fernsehen ausgestrahlt.

Ruth Hoffmann (Text)

repor-tal (Photos)

Informationen: www.else-lasker-schueler-gesellschaft, www.ensemble-noisten.de

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