Zwei Herren und sieben junge Leute

Zwei 'lebhafte' junge Herren: Proteus (Felix Strobel, l.) und Valentin (Leonard Scheicher)
Zwei ‚lebhafte‘ junge Herren: Proteus (Felix Strobel, l.) und Valentin (Leonard Scheicher)

‚Zwei Herren aus Verona‘ ist in einer Hinsicht kein typisches Shakespeare-Stück. Es ist nämlich überhaupt nicht blutrünstig. In der Komödie ‚tobt‘ sich der junge Autor anders aus: ein Wortgefecht jagt das nächste. Mit Bravour umgesetzt wurde dieses sprachliche Feuerwerk von jungen Schauspielern der Hochschule für Schauspielkunst ‚Ernst Busch‘ mit Unterstützung des Berliner Ensembles.

„Dieses Stück eignet sich besonders für unsere Schüler, weil sie vom Alter her in derselben Situation stecken wie unsere Helden im Shakespeare-Stück“, sagt Veit Schubert, Regisseur und Ausbilder an der Berliner Schule, der schon berühmte und beliebte Größen wie Jan-Josef Liefers unterrichtet hat. So ist seine Auswahl der Besetzung für ‚Zwei Herren aus Verona‘ ein Glücksgriff. Die sieben Schauspieler haben alle eine hervorragende Leistung gezeigt und alles auf die Bühne gebracht, was Shakespeare für das Stück einfordert: Witz, Tempo, Ausdruck und Temperament. Darüber hinaus mussten sie sich auch musikalisch bewähren. Besonders Felix Strobel (Proteus) war gefordert mit Gitarre und Gesang, was er auch sehr gut bewältigte. Die Leistung der Sieben war gleichermaßen gut, ihre Namen können Dramaturgen und Regisseure sich schon einmal auf ihre zukünftigen Besetzungslisten schreiben: Annemarie Brüntjen (Julia), Jonathan Kutzner (Lanz / Thurio), Leonard Scheicher (Valentin), Felix Strobel (Flink / Proteus), Karoline Teska (Lucetta), Gaia Vogel (Silvia) und Sebastian Witt (Herzog / Proteus‘ Vater / Wirt) – Die Reihenfolge ist alphabetisch und enthält keine Wertung!

Felix Strobel (l.) und Leonhard Scheicher gehen ganz in ihren Rollen auf.
Felix Strobel (l.) und Leonhard Scheicher gehen ganz in ihren Rollen auf.

‚Zwei Herren aus Verona‘ schildert die ‚Liebes‘-Nöte junger Menschen, die noch auf dem Weg sind, sich selbst zu finden. Große Liebe, kleine Intrigen, Heldenstreben, Widerstand gegen die Wünsche des Vaters, Verrat, Vergebung, Freundschaft, alles ist dabei.

Die göttliche Übersetzung von Frank Günther ist streckenweise eine wahre Herausforderung an das ‚Mundwerk‘. Sprecherzieherin Cornelia Krawutschke hat mit den Schauspielern die Wortwechsel hervorragend einstudiert. Denn nicht nur der tiefere, in den Wortspielen versteckte Sinn, sondern auch das fehlerfreie und ausdrucksvolle Sprechen dieser Zungenbrecher wurde von allen gemeistert. Wohlgemerkt, ‚Fischers Fritze‘ haben wir alle einmal gelernt, aber was die Schauspieler da schafften, fehlerfrei, schnell und voll Ausdruck zu deklamieren, zeigt die hohe Schule, der diese jungen Menschen entstammen.
Belohnt wurden sie vom Publikum mit donnerndem Applaus.

Mit dieser Inszenierung gehört ‚Zwei Herren aus Verona‘ zu den Highlights des diesjährigen Shakespeare-Festivals in Neuss. Wer es hier verpasst, muss nach Berlin reisen.

Zu sehen ist die Komödie in Neuss noch am 3. Juni um 20 Uhr und am 4. Juni um 15 und 20 Uhr. Restkarten sind an der Abendkasse erhältlich.

Text: Ruth Hoffmann

Photos mit freundlicher Genehmigung von Pro Classics, © Marcus Lieberenz

Informationen: www.shakespeare-festival.de

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