Esten, Action, Temperamente

Anut Tali, Photo Kadri Tali

Wenn die Dirigentin Anu Tali zum Taktstock greift, weht ein frischer Wind durch die internationalen Konzertsäle – zu denen wir an dieser Stelle auch das Zeughaus rechnen dürfen, das am 22. April um 11 Uhr zum Schauplatz eines Debüts wird: Erstmals leitet die estnische Künstlerin die Deutsche Kammerakademie Neuss.

Das 5. Abonnementkonzert der aktuellen Saison bringt Werke von Samuel Barber und Erkki-Sven Tüür sowie die Vier Temperamente von Paul Hindemith zu Gehör. Sie wurden kurzfristig für das ursprünglich geplante Tirol Concerto von Philipp Glass aufs Programm gesetzt und gestatten der Pianistin Tamara Stefanovich, dieselbe „unglaubliche Brillanz“ an den Tag zu legen, von der bereits die New York Times schwärmte.

Tamara Stefanovich, Photo: Marco Borggreve

Die Solistin der Matinee kennt die Podien der New Yorker Carnegie Hall, der Berliner Philharmonie und der Tokioter Suntory Hall, hat mit der Royal Festival Hall und der Wigmore Hall zwei besonders feine Londoner Adressen besucht und ihre Kunst auch bei etlichen renommierten Festivals – von Luzern und La Roque d’Anthéron über das KlavierFestival Ruhr und die Styriarte Graz bis hin zum Aldeburgh Festival – hören lassen.

Die Matinee beginnt um 11 Uhr mit dem schwermütigen Adagio, das Samuel Barber aus seinem Streichquartett op. 11 ausgekoppelt und für Streichorchester eingerichtet hat. Die Uraufführung 1938 unter der Leitung von Arturo Toscanini in New York machte den damals 28-jährigen Barber auf einen Schlag berühmt.

Im Anschluss an das außerordentlich populäre, vielfach als Begleitmusik eingesetzte Werk des Amerikaners kommt eine der markanten Figuren der Gegenwart zu Wort: Anu Talis Landsmann Erkki-Sven Tüür. Sein Stück Action Passion Illusion aus dem Jahr 1994 lässt etwas von den Anfängen des Komponisten erahnen, der seine Laufbahn als Rockmusiker begann. 

Kammerakademie Neuss © Jochen Rolfes

Paul Hindemith schrieb seine Vier Temperamente für Klavier und Streicher im Jahr 1940. Die antike Medizin fußte auf der Vorstellung der vier ‚Körpersäfte‘ und war damit immerhin so inspirierend, dass wir in der Musik- und Kunstgeschichte manche klingende Reflexionen des Gedankens finden. Paul Hindemith schildert die Temperamente durch vier Variationen über ein einziges Thema – das Wesen, das dem Werk seine Einheit und Schlüssigkeit verleiht. Der ordnende Geist des Komponisten, der seine Zeit als ‚musikalischer Bürgerschreck‘ inzwischen längst hinter sich hatte, war zu einer klassischen Ausgewogenheit zurückgekehrt.

Sonntag, 22. April 2018, 11 Uhr, Zeughaus Neuss

Einführung um 10.15 Uhr mit Dr. Matthias Corvin

Einzelkarten an den bekannten Vorverkaufsstellen, über die Karten-Hotline unter 02131-5269 9999 oder über das Internet unter www.deutsche-kammerakademie.de bestellt werden (zuzüglich Versandkosten).X

Text: Pro Classics / repor-tal

Photos mit freundlicher Genehmigung von Pro Classics

Weitere Informationen: www.deutsche-kammerakademie.de

Ort: Zeughaus Neuss, Markt 42 – 44, 41460 Neuss

Konzertbeginn 20 Uhr, Einführung um 19.15 Uhr

Karten-Hotline: 02131 / 52 69 99 99

Eintritt: ab 22,60 Euro

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