Mutter aller Metropolen

Städte sind lebende Wesen. Deshalb kann man über sie auch Biographien schreiben. Der Pariser Professor Alexandre Grandazzi hat eine Biographie der Stadt Rom vorgelegt. Sie richtet den Blick nicht auf die Expansion des Weltreichs, sondern auf die innere Entwicklung der ‚Mutter aller Metropolen‘.

Die übliche Perspektive der wissenschaftlichen ‚römischen Geschichte‘ richtet ihren Blick vor allem auf die Expansion des Weltreiches und deren kulturelle Folgen bis in die heutige Zeit. Dabei dreht sich alles um Kriege, Eroberungen, Kolonien, den ständigen Kampf um äußere Grenzen, also die Peripherie.
Grandazzi will mit diesem Buch dagegen halten und bei allen Auseinandersetzungen der Stadt mit äußeren Feinden und Konkurrenten den Blick immer auf die innere Entwicklung richten. Urbs ist die Biographie einer Stadt, ähnlich wie Simon Sebag Montefioris Jerusalem-Biographie.
Sie erfasst allerdings nicht die gesamte Lebensdauer der ‚ewigen Stadt‘, die nach des Autos eigenen Worten mehr als ein Jahrtausend Geschichte gefolgt von fast einem Jahrtausend Vergessen und fast einem halben Jahrtausend wissenschaftlicher Forschung umfasst, sondern endet mit dem Kaisertum des Augustus. Die gesamte christliche Ära und die Entwicklung zur Hauptstadt Italiens (1870) bis heute bleibt also einem weiteren Band überlassen.
Großen Raum nehmen in Grandazzis Darstellung die religiösen Rituale ein, mit denen die ‚alten Römer‘ versuchten, ihre Götter günstig zu stimmen. Dabei schreckten sie sogar vor Menschenopfern nicht zurück – sicher eine spannende Lektüre für heutige Zeitgenossen, die von der Urahne unserer eigenen Zivilisation bislang solche Eigenschaften nicht kannten.
Doch die zentralen Themen sind die Auseinandersetzungen des expandierenden Stadtstaates mit äußeren Feinden – etwa Galliern oder auch konkurrierenden Nachbarn – und Naturkatastrophen wie Epidemien.
Eine Oligarchie von Patriziern beseitigt die Königsherrschaft und errichtet eine res publica, in der alle wichtigen Posten paarweise besetzt werden. Diese ‚Republik‘ wird erst von Caesar abgelöst, dessen Name bis heute für den obersten Herrscher großer Reiche steht. Zu seiner Zeit ist Rom die erste Weltstadt des Westens und damit Vorbild aller Metropolen.
Ein Anhang mit schwarz-weißen Karten, Chronologie, zahlreichen Anmerkungen, einer kleinen, aber ausführlich kommentierten Auswahl-Bibliographie und einem knappen Register beschließen den Band. Die Print-Ausgabe hat 720 Seiten und kostet 80 Euro. Als PDF oder ebook ist Urbs ab 64 Euro zu haben.

Text: Jan-Peder Lödorfer
Buchtitel mit freundlicher Genehmigung des Verlages

Informationen: www.wbg-verlage.de

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