Was bringt der Bonus?

Fotolia © Robert Gortana
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Die gesetzlichen Krankenkassen belohnen Vorsorge-Untersuchungen und die Teilnahme an Gesundheitsschutz-Angeboten oft mit Bonuspunkten. Die Verbraucherzentrale hat untersucht, ob sich diese Bonus-Programme für den Versicherten wirklich lohnen.

Überall werden Punkte gesammelt, Schon lange auch bei den Krankenkassen. Doch rentiert es sich wirklich für die Versicherten? Die Verbraucherzentrale NRW hat genau hingeschaut.

Wer die Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung wahrnimmt, regelmäßig Sport treibt oder Kurse zu gesunder Lebensweise besucht, kann damit per Bonusheft punkten. Kontrollbesuche und Kurs-Teilnahmen werden in einem Heft mit Stempel und Unterschrift nachgewiesen. Wer eine bestimmt Anzahl dieser Stempel vorweist, bekommt als Belohnung Geld oder Sachprämien.

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Die Krankenkassen sind gesetzlich dazu verpflichtet, ihren Versicherten Bonusprogramme zur Förderung ihrer Gesundheit anzubieten. Die Teilnahme daran ist jedoch freiwillig. Die versprochenen Prämien fallen auch nicht immer üppig aus. „Interessenten sollten die Teilnahmebedingungen eines Bonusprogramms vorher genau unter die Lupe nehmen und für sich prüfen, ob sich die Mühe für sie auszahlt“, empfiehlt die Verbraucherzentrale NRW. Wer die vorgegebene Punktezahl nicht erfüllt, muss keine Nachteile befürchten. Die gesetzlichen Leistungen der Krankenkassen bleiben auch ohne Teilnahme an einem Bonusprogramm für alle gleich.

Fotolia © sudowoodo
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Der Aufwand sollte sich lohnen. Denn die Teilnahme an Gesundheitskursen kostet auch Gebühren für den Versicherten. Krankenkassen locken mit 30 bis zu 300 Euro pro Jahr, die Versicherte als Lohn für gesundheitsfördernde Zusatzmühen einstreichen können. Die versprochenen Prämien beziffern jedoch immer den maximalen und nicht den garantierten Ertrag. Um 100 Euro Prämie zu erhalten, müssen gesetzlich Versicherte den Besuch von vier bis zehn verschiedenen Arztterminen, Gesundheitskursen oder Fitnessveranstaltungen im Bonusheft nachweisen. 200 Euro gibt es nur für fünf bis 15 Belege. Das ist von Krankenkasse zu Krankenkasse unterschiedlich.
Beim Studium des Bonusheftes können interessierte Teilnehmer überschlagen, welche Leistungsnachweise sie erbringen müssen, um eine Prämie ausgezahlt zu bekommen. Einen Teil der vorgeschlagenen Maßnahmen – etwa Fitnesskurse – gibt’s nicht zum Nulltarif. Interessenten sollten am besten vorab mit ihrer Kasse klären, ob und welche Kurse von ihr finanziert oder bezuschusst werden.

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Der Teufel steckt oft im Detail. So müssen Kinder und Jugendliche meistens weniger Nachweise sammeln. Allerdings bekommen sie dafür auch einen geringeren Bonus ausgezahlt als Erwachsene. Manchmal werden mitversicherte Partner bei den Prämienzahlungen schlechter gestellt als das zahlende Mitglied. Bei einigen Kassen können Familien wählen, ob sie ihre Prämien einzeln oder im Verbund sammeln. Ob Geld, Sachprämien oder lieber Gutscheine für individuelle Gesundheitsleistungen ausgehändigt werden sollen, muss allerdings bei einigen Kassen zu Beginn festgelegt werden.

Um an ein Bonusheft zu gelangen, müssen sich Versicherte vorher telefonisch, online oder schriftlich bei ihrer Krankenkasse anmelden. Ein Bonusprogramm zum Nachweis von Check-ups, Impfungen oder Kursen läuft meistens ein Jahr. Wenn die Krankenkasse das Bonus-Programm an das Kalenderjahr bindet, hat derjenige schlechte Karten, der erst gegen Ende eines Kalenderjahres zu sammeln beginnt. Da hat er kaum eine Chance, sein Soll für die in Aussicht gestellten Boni zu erfüllen. Nur einige Kassen lassen die Übertragung von gesammelten Punkten auf das Folgejahr gelten. Bei vielen Kassen ist der 31. März des auf den Sammelzeitraum folgenden Jahres der Stichtag, bis zu dem das abgestempelte Bonusheft vorgelegt werden kann. Fristende kann jedoch auch Ende Januar oder Ende Juni sein. Die Techniker-Krankenkasse berechnet das Bonus-Jahr aber zum Beispiel vom Antrags-Monat für ein Jahr (Beispiel: das Bonus-Programm beginnt im Oktober 2016 und kann bis zum September 2017 geführt werden.) Die gutgeschriebenen Punkte sind auch nicht grenzenlos gültig. Jede Kasse legt individuell fest, bis wann das Guthaben eingelöst werden muss. Wer diesen Zeitraum überschreitet, muss damit rechnen, dass die Krankenkasse das Programm automatisch beendet und die Boni streicht.

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Geld- oder Sachprämien wählen: Einige Krankenkassen geben den Wert von Gesundheits-Check-ups oder für Trainings fürs Sportabzeichen gleich in Euro und Cent an. Bei anderen sammelt man Punkte, die gegen Haushalts-, Elektro- oder Fitnessartikel eingetauscht werden können. Grill, Yogamatte oder Kofferset, wie im Leistungskatalog abgebildet, haben jedoch meist nur Beispiel-Charakter. Krankenkassen können nicht nur das Sortiment, sondern auch die Spielregeln für ihr Bonusprogramm jederzeit ändern.

Bei einem Kassenwechsel kann der Bonus allerdings weg sein. Viele Kassen knüpfen ihre Prämienzahlung an eine ungekündigte Mitgliedschaft. Wer bei einem geplanten Kassenwechsel nicht auf seine Bonus-Zahlung verzichten will, sollte vor der Kündigung klären, bis wann er bei der alten Kasse bleiben muss, um an seine Prämie zu kommen.

Weitere Informationen zu den Leistungen der Bonusprogramme hat die Verbraucherzentrale im letzten Jahr untersucht. Infos hierzu gibt es im Netz.

Text: Verbraucherzentrale NRW / repor-tal

Informationen: www.verbraucherzentrale.nrw

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