Eine Frau
1000 Gesichter

Kleopatra Philopator (‚die Vaterliebende‘), das ist die Frau, die die Phantasie der Menschheit seit Jahrhunderten bewegt hat und noch heute bewegt. Doch sie war weder die erste noch die letzte Kleopatra, sie war ’nur‘ Kleopatra VII. und die interessanteste. Ihr Name geht auf ihre Ur-Urgroßmutter zurück, Kleopatra I. von Syrien, die mit Ptolemaios V. Epiphanes verheiratet war, dem Urenkel von Ptolemaios I. Soter, der nach dem Tod von Alexander dem Großen 323 Ägypten regierte. Es gab also eine lange Ahnenreihe von Kleopatras, die Großmütter und Mutter, aber auch Großtanten, Tanten und Schwestern der weltberühmten Namensträgerin waren. Inzest war normal in der Pharaonen-Familie. Und obwohl die Ptolemäer mehr als 300 Jahre lang Ägypten beherrschten, wurde Kleopatra dennoch als makedonischen Ursprungs bezeichnet.

Der Katalog zur Ausstellung ‚Kleopatra. Die ewige Diva‘ geht in einer Reihe von spannenden Beiträgen auf die Wirkung des Mythos ein. Sally-Ann Ashton hinterfragt die gängige Darstellung in dem Aufsatz: ‚Kleopatra – eine afrikanische Königin?‘. Sie weist nach, das Kleopatra auf jeden Fall eine ‚afrikanische‘ Herrscherin war. Doch der strittigste Aspekt, ob sie auch teilweise afrikanischer Abstammung war, fordert die Nachwelt zu einem Umdenken heraus. Vielleicht ist es aber heute eher möglich, die afrikanischen Wurzeln Kleopatras zu akzeptieren. Schließlich haben selbst die Amerikaner es geschafft, einen schwarzen Präsidenten zu wählen.

Ebenso spannend ist die Auseinandersetzung von Barbara Straumann: ‚Die Inszenierung der zwei Körper der Königin‘ – ein Vergleich über ‚Kleopatra im Doppelportrait mit Elizabeth I.‘ Eine ungeheure Vorstellung, neben unser Bild der skandalöse und schöne Königin Kleopatra die puritanisch prüde und genauso aussehende Elizabeth I. zu stellen. Doch die ägyptische Königin war auch in der Renaissance als Idealtyp in Mode.

Kein Bild, keine Mode, die Kleopatra in ihr Licht rückte, wird im Katalog ausgelassen. So wird zum Beispiel das Kleopatra-Bild in der Historienmalerei des 19. Jahrhunderts ausführlich behandelt. Jeder mehr oder weniger berühmte Maler sah sich bemüßigt, die mythische Frau auf die Leinwand zu bannen – mal üppig, mal mager, mal schwarzhaarig, mal blond, wie der jeweilige Zeitgeschmack sie sich gerade vorstellte. Die Auseinandersetzung mit dem Mythos führt bis zur Popmusik, bis zur Moderne und selbstverständlich immer wieder zum Film.

Gerade im Film herrscht das Bild der Liz Taylor vor. Aber es gab viele Kleopatra-Darstellerinnen. Die Erste auf der Leinwand war Theda Bara 1917, ganz im Stil des Stummfilms. Eines der faszinierendsten Aufnahmen ist aber ein Photo von Richard Avedon aus dem Jahr 1958: ‚Marilyn Monroe als Theda Bara‘. Wer es nicht weiß, würde die Monroe niemals erkennen. Eine sagenhafte Darstellung und Verwandlung des Sex-Symbols der 1950er Jahre in ihre Vorgängerin aus den wilden 20ern und nochmals zurück zum Original vor 2000 Jahren.

Natürlich hat die Künstler auch immer wieder der Tod der Herrscherin fasziniert, was zu einer wahren Bilder- und Skulpturenflut schöner sterbender oder schon verstorbener Frauen geführt hat. Ob als Gemälde, als Skulptur oder als Relief, immer wieder beißt eine Schlange mehr oder minder direkt in die nackte Brust – es ist fast schmerzhaft zu betrachten.

Wer seine Phantasie über den unsterblichen Mythos weiter anregen oder aber auch korrigieren möchte, sollte sich diesen wunderbaren Katalog mit 87 Farbtafeln, 41 Schwarz-Weiß-Bildern und 138 Farbaufnahmen gönnen.

Text: Ruth Hoffmann

Cover © Hirmer Verlag

Kleopatra – Die ewige Diva, Katalog zur Ausstellung in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland
Hirmer-Verlag, 2013, 336 Seiten, gebunden, 45 Euro (D), 46,30 Euro (A), 57,90 Franken (CH), ISBN 978-3-7774-2088-2

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