Wie schmeckt eigentlich Heimat?

‚Das kulturgeschichtliche Museumsnetzwerk Niederrhein e.V. ‚ hat dem Altbier ein hübsches und gut illustriertes Büchlein gewidmet. Die Herausgeber: Carl Pause ist Archäologe beim Clemens-Sels-Museum Neuss und Britta Spies ist Volkskundlerin und leitet das Rheinische Schützenmuseum, ebenfalls in Neuss. Fünf weitere Fachleute haben sich mit Beiträgen beteiligt.

Das Buch enthält eine kurze Einführung in die Kunst des Bierbrauens, eine Sortenkunde, ein Verzeichnis der aktuellen Alt-Brauereien mit Geschmacks-Steckbriefen (!) und im Hauptteil einen bunt illustrierten Spaziergang durch die niederrheinische Kultur- und Wirtschaftsgeschichte. Den ‚Steckbriefen‘ kann man zum Beispiel entnehmen, dass die Palette der Geschmäcker allein innerhalb des Altbier-Angebotes vom ‚malzbetont -vollmundigen‘ bis zum ‚an Bitterstoffen reichsten Bier Deutschlands‘ reicht.

Altbier 003Altbier ist eine niederrheinische Spezialität. Man findet es etwa von Düsseldorf an rheinabwärts. Seinen Namen verdankt es ausschließlich der Geschichte: Es wird nach der ‚alten‘, das heißt obergärigen Brauweise hergestellt im Gegensatz zum Pilsener und anderen Sorten, deren Herstellung erst durch eine moderne Kühlung ermöglicht wurde. (Das gilt übrigens genauso für das ‚Konkurrenzprodukt‘ Kölsch.)

‚Wie schmeckt eigentlich Heimat?‘ lautet die Frage, die sich die Herausgeber zum Leitmotiv gewählt haben. Doch sie bleiben damit nicht im konventionellen Rahmen, sondern erkunden neue und spannende Wege. Zum Beispiel untersuchen sie, ob ‚Heimatpflege‘ auch im Internet funktioniert.  

Denn Bier(-geschmack) hat viel mit Heimatgefühl zu tun. „De gustibus“, wussten schon die alten Römer „non disputandum“ – über Geschmack soll man nicht streiten. Dennoch ist der Streit zwischen Kölsch- und Alt-Liebhabern ein beliebtes Motiv im Rheinland. Aus nord-, ost- oder süddeutscher Perspektive mag dieser Streit lächerlich wirken. Das hat einen guten Grund: Er ist in der Tat lächerlich. Tatsache ist nämlich, dass überall Bier am besten schmeckt, wenn es ‚läuft‘, also wenn es nicht lange darauf warten muss, getrunken zu werden. Das aber gilt in der Tat besonders für die obergärigen Sorten: Sie schmecken am besten frisch vom Fass.

Man tut also gut daran, sich, je nachdem, wo man gerade einkehrt, an die Sorten zu halten, die dort am beliebtesten sind. Ich möchte mal behaupten, dass in keiner ordentlichen deutschen Wirtschaft schlechtes Bier gezapft wird.

Wenn ich also dieses kleine Buch über das Altbier empfehle, dann bedeutet das nicht, dass ich es irgendeiner anderen regionalen Bierspezialität zwischen Flensburg und Passau vorziehe. Im Gegenteil: Ich hoffe, dass die Vielfalt der großen und vor allem der kleinen Brauereien in Deutschland möglichst erhalten bleibt!

Text: Jan-Peder Lödorfer

Cover mit freundlicher Genehmigung des Greven-Veralges und Pro Classics

Informationen: www.greven-verlag.de

Carl Pause & Britta Spies: Altbier am Niederrhein
Greven Verlag Köln, gebunden, 192 Seiten, ca. 16x24cm
€ 19,90
ISBN 978-3-7743-0608-0

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