Traumstadt der Antike

Die antike Stadt Sagalassos in der südlichen Türkei ist eine faszinierende archäologische Stätte. Das Gallo-Römische Museum ist das erste und einzige Museum in Europa, das von der türkischen Regierung die Zustimmung zu einer Übersichtsausstellung der archäologischen Funde erhielt, die noch nie die Türkei verlassen haben.

Kaiser Hadrian

Die Geschichte der Stadt Sagalassos war turbulent. 333 vor Christus wurde sie von Alexander dem Großen erobert und 25 vor Christus, unter Kaiser Augustus, dem Römischen Reich einverleibt. Unter Kaiser Hadrian (117 bis 138 nach Christus) erlebte Sagalassos seine höchste Blüte. Es entstanden herrliche Monumente, Heiligtümer, Prachtbrunnen, römische Thermen und viele andere prunkvolle Bauwerke.

Im 4. Jahrhundert wurde Sagalassos christlich. Anfang des 6. und 7. Jahrhunderts läuteten eine Pestepidemie und zwei Erdbeben den Verfall ein. Ab dem 13. Jahrhundert war Sagalassos eine trostlose Geisterstadt. Jedoch bewahrte ihre Lage hoch im Gebirge sie vor Plünderungen. Und meterhohe Schichten von Schutt und Sedimenten entzogen die Ruinen den Blicken und konservierten sie auch.

Tänzerinnen auf einem Fries

Sagalassos wird vergessen. Erst Anfang der 1990er Jahre starten gezielte Ausgrabungen. Die außergewöhnlichen Konservierungsumstände ermöglichen es den Forschern nicht nur, Sagalassos systematisch zu untersuchen; sie versetzen sie auch in die Lage, die Stadt Stein für Stein wieder aufzubauen. Die zahllosen Funde berichten von der komplexen und faszinierenden Geschichte der Stadt. Dazu gehören monumentale Architekturfragmente und lebensgroße Statuen römischer Kaiser sowie andere Kunst- und Gebrauchsgegenstände, wobei der Fächer von prähistorischem Werkzeug und rot bemalten Keramikschalen über Fragmente von Bronzestandbildern und Öllampen mit christlichen Motiven bis hin zu Friesblöcken mit tanzenden Nymphen und überreichlich verzierten Säulenkapitellen reicht.

Die Ausstellung als Inzenierung

Die Ausstellung ist ein Gesamterlebnis. Der belgische Opernregisseur Guy Joosten entwarf die Ausstellungsarchitektur. Joosten will, dass die Besucher zu einer neuen Sicht der Dinge kommen. Spitzenexponate wie das kolossale Marmorhaupt des römischen Kaisers Hadrian und die Statuen antiker Götter werden abwechselnd von verschiedenen Seiten angestrahlt. Und um die Atmosphäre einer archäologischen Ausgrabungsstätte zu beschwören, werden auf einem 270-Grad-Panoramaschirm Filme gezeigt. Der Schirm schwebt über einem Architekturmodell, das Sagalassos auf dem Höhepunkt seiner Blüte darstellt.

Dem Untergang geweiht

Das dramatische Geschehen mündet in ein ergreifendes Finale – den Untergang der Stadt. Das fatale Erdbeben vom Anfang des 7. Jahrhunderts soll durch eine Aufstellung mit kraftvollen Linien und starken Rot-Schwarz-Kontrasten ausgedrückt werden. Zwischen Schutthaufen begegnen die Besucher den stillen, aber imposanten Zeugen der Größe der antiken Stadt, deren Höhepunkt das monumentale Marmorhaupt von Kaiser Hadrian ist.

Das Leben in der Steinzeit

Die Dauerausstellung in Tongeren (deutsch: Tongern) befasst sich mit der Entwicklung menschlichen Lebens in der Region Limburg. Die umfangreiche Sammlung umfasst rund 170.000 Objekte, angefangen von winzigen Tonscherben bis hin zu großen Mauerfragmenten. In der ständigen Ausstellung sind davon etwa 2.300 zu sehen. Außerdem werden Alltagsszenen des Frühzeit-Menschen nachgestellt. Werkzeuge aus Feuerstein der Neandertaler und des ersten Homo sapiens zeugen konkret von ihrer Kultur. Dazu gehören auch Tonkrüge, die zum Alltag der sesshaften Bauern gehörten, die sich ab 5.300 vor Christus hier niederließen. Die Schwerter, Bronze- und Goldmünzen hingegen illustrieren die gesellschaftlichen Hierarchien, die in der Eisenzeit entstanden. Die Ausstellung demonstriert, dass sich in dieser Region zu Beginn unserer Zeitrechnung eine einzigartige regionale römische Kultur entwickelt hat. Sie enthält massive Architekturfragmente, kostbare Schmuckstücke und eine große Vielfalt an Götterskulpturen und Geschirr.

repor-tal (Text + Photos)

Gallo-Römisches Museum (Photos mit *)

Informationen: www.galloromeinsmuseum.be

Adresse: Gallo-Römisches Museum, Kielenstraat 15, 3700 Tongeren, Belgien

Telefon: 0032 12 67 03 30

Öffnungszeiten: dienstags bis freitags von 9 bis 17 Uhr, samstags, sonntags und an Feiertagen sowie in den belgischen Schulferien von 10 bis 18 Uhr

Eintrittspreise:
Sagalassos, City of Dreams: Erwachsene 10 Euro; Kinder und Jugendliche bis 26 Jahre 1 Euro; 55+, Menschen mit einer Behinderung, Ermäßigungsberechtigte, Gruppen 8 Euro; Familien 21 Euro
Sagalassos, City of Dreams + permanente Ausstellung: Erwachsene 15 Euro; Kinder und Jugendliche bis 26 Jahre 1 Euro; 55+, Menschen mit einer Behinderung, Ermäßigungsberechtigte, Gruppen 10 Euro; Familien 31 Euro

Sämtliche Ausstellungstexte liegen in fünf Sprachen vor, darunter Deutsch.

Erläuterungen zu einigen Photos:

Kolossales Haupt aus weißem Marmor einer Statue des römischen Kaisers Hadrian (120-125 n. Chr.)
Das Marmorhaupt von Kaiser Hadrian wurde 2007 in den Trümmern eines großen Bäderkomplexes in Sagalassos entdeckt. Außer dem Haupt fanden die Archäologen auch andere Fragmente der Statue, die wahrscheinlich fast 5 Meter hoch war. Dabei handelte sich um Stücke der Beine und der Füße. Die Hadrianstatue war ein so genannter Akrolith, ein Standbild, das aus unterschiedlichen Materialien bestand und auseinandernehmbar war. Für die Fleischpartien wurde Marmor verwendet; die Köperteile, die mit Kleidung oder einer Rüstung bedeckt waren, bestanden aus vergoldeter Bronze und waren auf ein Holzgerüst montiert. Die Bronze und das Holz blieben nicht erhalten. Das Haupt aus Sagalassos ist zweifellos eines der schönsten Porträts von Kaiser Hadrian, die jemals entdeckt wurden. Es zeigt den Kaiser kurz nach seiner Thronbesteigung im Jahr 117 n. Chr. und damit in der Blüte seiner Jugend.

Kolossales Haupt aus weißem Marmor einer Demeter-Statue (117-138 n. Chr.)
Möglicherweise gehörte die Demeter-Statue zur Ausschmückung des Odeion, des überdachten Theater- und Konzertsaals von Sagalassos. Die Statue stammt aus der Regierungszeit des römischen Kaisers Hadrian (117-138 n. Chr.). Vermutlich war sie mehrere Meter hoch.

Marmorhaupt des Standbilds eines (heroisierten) jungen Aristokraten
Die Statue des jungen Aristokraten stand einst im Tabernakel des so genannten Nordwestlichen Heroon, eines großartigen Ehrenmonuments, das in der Zeit von Kaiser Augustus (27 v. Chr. – 14 n. Chr.) in der Oberstadt von Sagalassos errichtet wurde. Die Elite von Sagalassos spielte eine bedeutende Rolle für die Entwicklung und die Blüte der Stadt, da sie die religiösen Feste und den Bau öffentlicher Gebäude und Monumente finanzierte.

Kalksteinurne in Form einer Vase aus dem 1. Jahrhundert n. Chr.
Die Urne ist prachtvoll mit üppigen Fruchtgirlanden, aber auch mit tragischen (Theater-)Masken verziert. Wegen ihrer überschwänglichen Dekoration ist sie ein eindrucksvolles Zeugnis eines ‚goldenen Jahrhunderts’ von Sagalassos. Im 1. Jahrhundert n. Chr. und unter dem Einfluss von Kaiser Augustus und seinen Nachfolgern erlebte die Stadt eine hohe Blüte und entwickelte sich zu einer monumentalen Metropole mit ausgeprägt römischem Charakter.

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Kommentare 2

  • Hallo an das ganze Team,
    die Artikel, die geschrieben werden, sind immer sehr lesenswert. Es macht Spaß, die Artikel zu lesen. Danke an das ganze Team, ganz besonders Frau Hoffmann.
    Liebe Grüße Christine Seelbach

    • Liebe Frau Seelbach,
      auch wir können nur Danke sagen!
      Solch schönes Lob steigert die Freude an der Arbeit. Denn nur, wenn unseren Lesern fifty2go gefällt, sind wir auf dem richtigen Weg!
      Herzliche Grüße
      Ruth Hoffmann und das ganze Team

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