Anbetung und Zerstörung
Drei Jahrtausende Tempelberg

Der rechteckige Bezirk im Osten der Altstadt von Jerusalem erinnert an eine Festung. Das Areal ist von hohen Mauern umschlossen. Polizisten und Soldaten kontrollieren streng den Zugang. Es gibt getrennte Eingänge für Muslime und Nicht-Muslime. Während des Ramadan ist Nicht-Muslimen der Zutritt ganz verboten. Überhaupt sind die Zugangsregelungen wechselnd und recht undurchsichtig. Wer einen Besuch auf dem Tempelberg plant, sollte sich also unbedingt nach den aktuellen Regelungen erkundigen.

Die prächtige Verkleidung des Felsendoms gehört zu den wenigen Anblicken, die den Nicht-Muslim für die Strapazen vor dem Zutritt zum Tempelberg entschädigen.

Nicht-muslimische Besucher müssen über eine hölzerne Rampe hinaufsteigen. Der Zugang wird von der Israelischen Polizei gesichert. Jeder, der das Areal betritt, wird gründlich auf Waffen durchsucht. Man darf keine Utensilien nicht-muslimischer Religionen bei sich haben. Weil in der Regel auch die muslimischen Gebäude – der prächtige Felsendom und die riesige Al-Aqsa-Moschee – auch nicht von nicht-muslimischen Touristen betreten werden dürfen, lohnt sich der Besuch nur eingeschränkt; denn der Platz an sich bietet wenig, was nicht auch von weitem zu sehen wäre.

Die Kalifen ließen im 7. Jahrhundert den Felsendom über der Stelle errichten, an der nach übereinstimmender Überlieferung der drei monotheistischen Weltreligionen Abraham im Begriff war, seinen Sohn wie ein Opfertier zu schlachten. Der Prophet Mohammed soll von dieser Stelle aus einen wunderbaren Ritt in den Himmel (und zurück) getan haben.

Jerusalem Altstadt
Die Altstadt Jerusalems von Osten – ganz rechts das Goldene Tor, mit dem alle drei Religionen Legenden verbinden

Vorher hatte das Areal lange in Trümmern gelegen. Denn schon im Jahr 70 nach Christus hatten die Römer den Vorgängerbau dem Erdboden gleich gemacht. Er war erst etwa ein Jahrhundert zuvor von dem unter römischer Oberherrschaft stehenden König Herodes errichtet worden. Der hatte ein rund 500 Jahre älteres Bauwerk erweitert und ausgebaut. Dieses wiederum war ebenfalls ein Wiederaufbau: Der erste, legendäre Tempel des Königs Salomo aus dem 10. Jahrhundert vor Christus war 400 Jahre später von den Babyloniern geschleift worden.

Jerusalem Western Wall
Betende Juden vor der Westmauer

Einziger oberirdischer Überrest des herodianischen Tempels ist die westliche Außenmauer, die sogenannte Klagemauer, heute zentrales Heiligtum der Juden. Aus der Antike stammen die elf unteren Quaderschichten der 18 Meter hohen Mauer. Die Schichten darüber gehören schon zur islamischen Periode.

Täglich kommen fromme Juden hierher um zu beten. Nach 1967 hat man die Bebauung vor der Mauer abgeräumt und einen geräumigen Platz angelegt. Auch hier kontrollieren Polizei und Militär den Zugang. Nichtjuden dürfen auch zur Westmauer, wenn sie die angemessen gekleidet sind und Männer eine Kopfbedeckung tragen. Es gibt getrennte Mauer-Abschnitte für Männer und Frauen. Fromme Juden stecken kleine Zettel (‚Kwittelchen‘) mit Gebeten zwischen die Mauersteine.

Jerusalem Cardo
Der antike Cardo

 

Die Westmauer bildet das ideelle Zentrum des jüdischen Viertels, das den südöstlichen Teil der Jerusalemer Altstadt ausmacht. Zu den archäologischen Attraktionen der Umgebung gehört der Cardo, die antike Einkaufsstraße mit ihren Säulengängen. Seine Stirnwand ist mit einer Phantasieszene bemalt, die das Leben und Treiben in der antiken Marktstraße illustriert. Als kleiner Gag ist auch ein Junge aus moderner Zeit hineingemalt, der mit einem Mädchen aus der Antike Kontakt aufnimmt.

Cardo Wandbild
Antikes Marktleben

Hinter dem Wandbild beginnt der jüdische Teil der Basarstraße (Suq). Er ist geprägt von schicken Galerien und Juwelierläden. Wer dem Suq aufwärts in Richtung Norden folgt, merkt sofort den Übergang ins muslimische Viertel: Hier sind die kleinen Läden vollgepackt mit Waren von Devotionalien und Souvenirs bis zu Lebensmitteln und Textilien für den täglichen Bedarf.

Tempel des Herodes Modell
Tempel des Herodes im Modell

Wer sich einen Eindruck davon verschaffen will, wie der Tempel zur Zeit um Christi Geburt aussah, begibt sich am besten ins Jerusalem-Museum im Westteil der Stadt. Hier hat man ein maßstabgetreues Modell der antiken Stadt gebaut, das man von einer Galerie aus bewundern kann.

Jan-Peder Lödorfer (Text)
repor-tal (Photos)

Chanuka, auch Hanuka, Chanukkah oder ähnlich geschrieben, dauert acht Tage. Zu den Festbräuchen gehört das stufenweise Anzünden eines speziellen Leuchters mit neun Kerzen – acht für jeden Tag und ein ‚Diener‘, der das Licht gibt. Die Daten sind 9. bis 16. Dezember 2012, 28. November bis 5. Dezember 2013, 17. bis 24. Dezember 2014.

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