Serie: Siel-Dörfer, Teil 2
Kutter, Küste, Kunst:
Das ist Dangast

Dangast wurde geprägt von den Fischern und ihren Familien. Heute ist es zwar ein Teil der Stadt Varel am Jadebusen, aber eigentlich liegt das 500-Einwohner-Dörfchen ganz für sich, direkt an der Nordsee. In den Ferien und an sonnigen Wochenenden wird es lebhaft in den Straßen und am Strand. Es gibt aber auch Zeiten, in denen man das Küstendorf in Ruhe genießen kann.

Kilometerweit lädt der Sandstrand zum Laufen ein.

Dangast ist schon im 11. Jahrhundert gegründet worden. Doch der ursprüngliche Ort wurde bei der einer großen Sturmflut, der Zweiten Marcellusflut im Januar 1362, vollständig zerstört. Danach wurde es an einer vor der Flut sicheren Stelle weiter südlich wieder aufgebaut und hat sich dort bis heute gehalten. Der deichlose Seeblick ist eine seltene Besonderheit an der Nordseeküste. Es ist das südlichste Nordseebad in Deutschland. Ebenso ist der zwei Kilometer lange Sandstrand eine Attraktion. Feiner heller Kies bedeckt das Land zwischen Wattenmeer und Wiesen. Bei Flut ein idealer Badestrand, lädt er bei Ebbe zum Sonnen oder zum Wandern ein.

Möwen in vielen Variationen, hier eine Silbermöwe

Um 1800 wurde Dangast als Seebad ausgebaut. Viele dieser Bauten sind bis heute erhalten. Und dieses Seebad bietet eine Besonderheit: In 573 Meter Tiefe unter dem Meeresspiegel spudelt eine Jod-Sole-Quelle. Es ist etwa 40 Millionen Jahre altes Meerwasser, das in Gutachten als besonders wertvolles Heilwasser bewertet wird. Das Quellwasser enthält etwa dreimal so viel Salz wie das der Nordsee, deren Salzgehalt etwa 3,5 Prozent beträgt. Allerdings wird das Quellwasser mit Leitungswasser gemischt, so dass der Salzgehalt im Therapiebecken des Gesundheitszentrums nur noch bei 4 Prozent und im Strandbad bei 1,8 Prozent liegt. Zum Vergleich: Im Toten Meer liegt der Salzgehalt durchschnittlich bei 27 Prozent.

Kein Deich, sondern direkt zum Strand und Wasser

In Dangast führt ein Fahrweg direkt auf den Jadebusen zu. Hier zweigen rechts und links kleine Sträßchen in das Dorf ab. Die Hauptstraße mündet direkt am großen Strand auf einen Parkplatz. Von dort kann man nach rechts eine lange Strandwanderung beginnen. Nach links führt der Dorfweg über den Künstlerpfad zum alten Kurhaus am Sielhafen. Im Sielhafen liegt auch die ‚Etta von Dangast’ vor Anker. Mit dem Motorschiff werden Schiffsrundfahrten durch den Jadebusen angeboten.

Im Sommer ist das Highlight das Dangaster Hafenfest (2012 vom 20. Bis zum 22. Juli) mit der legendären Meisterschaft im Schlickschlittenrennen.

Nicht alleine ins Watt!

Wattwanderungen sind im Jadebusen besonders anstrengend. Hier herrscht nicht die Strömung wie an der offenen Nordseeküste. Deshalb gibt es hier eine besonders dicke Schlickschicht, in die man bis über die Waden versinken kann. Deshalb sollten Wattwanderungen auch hier nur mit einem kundigen Führer unternommen werden.

Heute eher unspektakulär

Schon Anfang des 20. Jahrhunderts lockte das stilvolle Dorf Künstler an. Expressionistische Vertreter der ‚Brücke’ fanden hier Muße und Inspiration, darunter Karl Schmidt-Rottluff (1884 bis 1976), Erich Heckel (1883 bis 1970) und Max Pechstein (1881 bis 1955). Auch der Maler und Photograph Willy Hinck (1915 – 2002) lebte hier. Am Strand, rund um das Kurhaus und auch darin gibt es Exponate zeitgenössischer Künstler zu entdecken. Dabei sind Werke von Anatol Herzfeld, Wilfried Gerdes und Eckart Grenzer. Grenzer sorgte 1984 für besondere Aufregung, als er einen 3,20 Meter hohen Phallus aus Granit an den Strand platzierte.

 

 

Das Radziwill-Museum

Ein kleines Kunstmuseum ist heute im ehemaligen Wohnhaus des Malers Franz Radziwill (1895 bis 1983). Rund 800 Gemälde hat er geschaffen. Zwar hatte er während des Nationalsozialismus mehrfach Ausstellungsverbot, dennoch engagierte er sich für die NSDAP und war Partei-Funktionär.

 

Dangast gehört auch mit seinem ‚Dangaster Kunstpfad’ zu dem Projekt ‚Kunst am Deich’, das sich mit fünf Standorten rund um den Jadebusen zieht.

Ruth Hoffmann (Text)

repor-tal (Photos)
Kurverwaltung Dangast (Radziwill-Haus)

Informationen: www.dangast.de

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